Mrz 20, 2015

Am RWTH Campus sind wir inmitten eines Feldes aus Forschung, Lehre und praktischer Anwendung zukunftsträchtiger Technologien. Wenn alle wichtigen Akteure ohnehin so nah beisammen sind liegt es nah, auch informelle Formen des Austausches zu probieren und daher kam uns schnell die Idee der „IT-Häppchen“. In einer etwas ausgedehnten Mittagspause kann zwischen Vorträgen von rund 10 Minuten Dauer gegessen, getrunken und geredet werden. Ende Februar war es wieder soweit.

Vorbei die Zeit, in der verformungsgerechte Aufmaße den Planern graue Haare wachsen ließ. Felix Müller, ein beratender Ingenieur vom Bonner Vermessungsbüro „Pilhatsch“, zeigte uns den Stand der Technik bei der 3D-Vermessung von Bestandsobjekten und auch ganzen Arealen. Mit einer verblüffenden Genauigkeit im Millimeterbereich und einem vergleichsweise enormen Tempo können heutzutage per 3D-Laserscanning sog. Daten- bzw. Punktwolken generiert werden, die fotorealistisch über den Internet-Browser abrufbar sind. Sie dienen primär als Messbild und auch dazu, die kompliziertesten Schnitte, Grundrisse, Fassadenansichten oder Schattenstudien in die bürointerne CAD-Software zu integrieren. Mittels ferngelenkter Flugroboter (sog. Oktokoptern) gelingt es auch, ganze Areale zu überfliegen, um sich über stadträumliche Bestandssituationen Klarheit zu verschaffen. An der weiteren Integration dieser Technologien in das Building Information Modeling (BIM) arbeiten bereits Forscherteams. Es ist zu erwarten, dass das 3D-Laserscanning allen am Bauprozess Beteiligten künftig einen niedrigschwelligen Zugang in die Planungswelt ermöglicht.

Der zweite Vortrag beantwortete die Frage: Was ist BIM-Management? Unser Mitarbeiter Dirk Meinecke erläuterte zunächst die Komplexität heutiger Planungsprozesse. Eine Vielzahl unterschiedlichster Gewerke muss koordiniert werden. Auf der Ebene des Projektmanagements geschieht das in bewährter Weise im Themendreieck aus Kosten, Qualitäten und Terminen. Planungswerkzeuge und Kommunikationskultur im Projekt bestimmen den Erfolg jedoch in immer höherem Maße mit und hier kommt Building Information Modeling ins Spiel. Der BIM-Manager tritt als rechte Hand des Projektmanagements auf und koordiniert in Datenhinsicht die Gesamtplanung. Er ist derzeit noch oft mit dem Problem konfrontiert, dass unterschiedliche Standards und Programme genutzt werden. Solange kein einheitliches BIM-Modell gestaltet wird, greift er auf eine schnittstellenoffene Software zurück, in der alle Detailplanungen importier- und darstellbar sind. In ihr führt der BIM-Manager eine Vielzahl von Prüfungen durch, lässt Fehler beheben und weist auf Probleme hin. Während des Vortrags und auch im Anschluss gab es zahlreiche Nachfragen. Wohl ein Beleg für die Aktualität des Themas.

Zum Schluss aber nicht zuletzt boten wir parallel zum Essen allen Teilnehmern an, die virtuelle Realität eines 3D-Modells zu ‚betreten’. Grundlage hierfür ist eine entsprechende Hardwarekomponente aus der Spieleindustrie. Mit der Virtual Reality-Brille „Oculus Rift“ ist es möglich, per Kopfbewegung die Richtung im Modell zu bestimmen; die Navigation in der künstlichen Umgebung geschieht mittels einer Steuereinheit in der Hand. Diese vergleichsweise kostengünstige Lösung erlaubt es, Bauherren ein intuitives Verständnis des künftigen Gebäudes zu ermöglichen oder mit Fachplanern Bauabschnitte etc. zu besprechen. Auch bei diesem Programmpunkt gab es rege Nachfrage und eine gewisse 3D-Begeisterung war ebenfalls zu spüren.

Für die nächsten „IT-Häppchen“ haben wir schon viele Ideen und freuen uns auf zahlreiche Teilnehmer.

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