Okt 1, 2015
BIMconvention 2015: Richtlinien, BIM in der Bauausführung, Facility Management und BIM, Modellnutzungen

Andreas Kohlhaas eröffnete die dritte Sektion mit einem Blick auf BIM-Richtlinien, stellte deren kleine Geschichte vor und warf eine europäische Perspektive. Standards seien nützlich, denn sie vereinfachten die Produktionsprozesse und würden Sicherheit, Messbarkeit wie universelle Einsetzbarkeit von Technologien wie Methoden erhöhen. In Puncto Datentausch und BIM wäre die Etablierung einer „IFC-Schnittstelle“ in Deutschland ein wichtiger Meilenstein gewesen, wenngleich wir anderen europäischen Ländern hinterherhinkten; z.B. wären Skandinavier, vor allem Norweger, geschichtlich die Vorreiter und hätten dadurch einen Vorsprung von mindestens zehn Jahren. Norwegen, Dänemark, Finnland, Niederlande und Österreich hätten bereits BIM-Standards; Deutschland hingegen nur einen Leitfaden. Der „VDI“ habe sich dessen 2013 angenommen und versuche seither, verbindliche Datenrichtlinen (Arbeitsunterlagen, Entscheidungshilfen) in den Schwerpunkten: BIM-Pflichtenhefte, Wörterbuch, Kostensteuerung, Baubetrieb, Datenaustausch und -Management, Facility Management, Qualifizierung und Bauteilbeschreibung zu kreieren. Die Briten lägen in Bezug auf die Initiative „COBie“ (Construction Operations Building Information Exchange) vorn und auch Euronormen würden dort gemacht. Herr Kohlhaas hält BIM-Richtlinien für sinnvoll, sie nutzten allen (Bauherren, Planern, Behörden, Bauunternehmen und Zulieferern).

Mit Herrn Arnolds war der Vertreter eines gestandenen Bauunternehmens auf dem Podium. Mittlerweile werde im eigenen Hause rund 85 % der Rohbaukalkulation mittels BIM erledigt. Zunächst hätte es allerdings Skepsis gegeben bei der Umstellung auf modellbasiertes Arbeiten. BIM verlagere das Projektplanungsgeschäft nach vorn, was höhere Anforderungen an die Planer in Bezug auf die Detailierung stelle. Auch TGA-Simulationen wie z.B. Wärme, Kälte, Lüftung und daraus resultierend Bedarf an Kanälen, Leitungen oder Heizkörpern ließen sich gut bewerkstelligen. Alle Mengen seien aus dem Modell exakt bestimmbar, was z.B. die Betonbestellung erleichtere. Auch Termine seien gut synchronisierbar und generell vereinfache BIM die Bauabläufe. Allerdings greife es in die unternehmensinternen Prozesse ein und sei mitnichten nur eine Software. Vom Plan zum Bauprozess – damit beschrieb Arnolds die Entwicklung und sah Vorteile für den Bauherren auch darin, die Nachhaltigkeit besser zertifizieren und dem Facility Management für die Nutzungsphase ein Modell übergeben zu können.

Damit gab er Herrn Rafati ein gutes Stichwort. Dieser referierte im Anschluss nämlich zu Facility Management (FM) und BIM. Mit dem softwarebasierten sog. „Computer-Aided Facility Management“ (CAFM) habe die Branche zwar schon eine Möglichkeit, Planungsdaten zu nutzen, aber BIM biete für FM-Belange unter bestimmten Umständen ebenfalls Potential. Derzeit sei die neue Methode ein Thema der ersten Phasen des Lebenszyklus (Konzept, Planung, Einrichtung, Vermarktung des Bauprojekts). Deshalb sei es besonders wichtig, das FM früh einzubinden. Allerdings fehle es heute noch oft an einem neuen Datenverständnis; der Datenwert nämlich stieg bisher mit der Nutzungsdauer des Gebäudes, was freilich der unzureichenden Dokumentation geschuldet sei. Aus diesem Automatismus biete BIM den Ausgang – allerdings nur, wenn FM-relevante Informationen dem Modell beigefügt seien. Letzteres könne im Gespräch mit dem FM geklärt werden. BIM böte einen Ist-Soll-Vergleich in Echtzeit und mache die Prüfung von Bewirtschaftungskosten früh möglich, was den Übergang in die Betriebsphase erleichtere. BIM fördere ebenfalls die Kommunikation. Die Nachfrage zum dynamischen Gebäudemonitoring nutzte Hagen Schmidt-Bleker, um auf das sog.“Live-BIM“ hinzuweisen. In dieses Gebäudedatenmodell werde die gesamte, teils komplexe Sensorik einbezogen. Ein nächstes Thema zur Gebäudebewirtschaftung steht also schon an.

Herr Buttgereit gab dem Plenum Beispiele, wie BIM zur Datenvisualisierung nutzbar ist. In interaktiven Informations- und Wegeleitsystemen (Touristeninfo, Öffentlicher Nahverkehr, Flughafen, Kaufhaus, Friedhof, Krankenhaus etc.) könne es Anwendung finden, denn ein 3D-Modell eigne sich zu intuitivem Zugang. 2D und 3D Elemente zur Raum- und Gebäudeübersicht seien problemlos generierbar. BIM böte hier gute Möglichkeiten, was aber noch weit weg von der Realität sei. Sehr sinnfällig führte Herr Buttgereit die Beispiele der Augmented Reality aus. Die virtuelle Rückkopplung an die Realität eigne sich u.a. zur Bestuhlung von Räumen, für Gebäudeleitsysteme mittels Smartphone, bei der Darstellung beliebiger virtueller Objekte auf der Baustelle oder auch bei Maschinenüberwachungen auf dem Hallenboden.