Die BIM-Konferenz im Eurogress Aachen

Am 27. und 28. September war es wieder soweit. Die „BIMconvention 2017“ fand statt. An dieser Stelle einige unserer Stippvisiten.

Architekten in der digitalen Zukunft

Peter Russell ist ein kreativer Mann. Er und sein Thema „Szenarien über die Auswirkungen digitaler Technologien“ passten entsprechend zusammen. Der Delfter Professor, selber Architekt, warf den Blick auf seine Profession im Jahr 2030. Derzeit macht er vier Typen aus, den Standesbewussten, den technoid Agierenden, den Freigeist und den Netzwerker. Russell empfiehlt den Blick über den Tellerrand. Die bisherige Ausbildung in Sparten reiche nicht mehr, um in der komplexen Welt von übermorgen zu agieren. Es gelte, die digitale Kreativität zu kultivieren. Teamarbeit sei essentiell und auch, über Disziplingrenzen hinweg zu agieren.

BIM-Stand Nordrhein-Westfalen

Arnim Spengler, BIM Cluster NRW, gab einen Überblick über die Lage zu BIM in Bund, NRW wie Kommune und stellte in diesem Zusammenhang auch den Stufenplan des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur zur Einführung der Methode vor. Erfreulich sei, dass Deutschland Vorreiter zur Weiterentwicklung der IFC-Schnittstelle ist und auch, dass Nordrhein-Westfalen im europäischen Rahmen als Spitzenreiter der Digitalisierung angesehen wird. Eine lebhafte Nachfrage gab es zu folgenden Themen: Wie funktioniert die digitale Bauakte? Wird es eine BIM-Pflicht geben? Sind die Genehmigungsbehörden vorbereitet? Werden KMU gesondert gefordert bzw. gibt es Unterstützung bei der Einführung von BIM?

BIM und Facility Management

Prof. Albert von der Berliner „Bauakademie“ skizzierte den Weg, den das Facility Management (FM) genommen hat. Kurz nach der Wende noch als Hausmeister-Aufgabe angesehen, habe sich ein besseres Verständnis erst ab 2012 nach Etablierung der entsprechenden DIN-Norm durchsetzen können. Die Belange des Gebäudebetriebs, so Albert, gehörten in die Strategieebene einer Organisation, denn FM solle helfen, für deren Effizienz zu sorgen. In Beug auf BIM müsse FM frühzeitig in den Planungsprozess integriert sein. Es gebe einiges zu tun, so z. B. bei den Schnittstellen oder auch der Baudokumentation. BIM böte die Chance, alle relevanten Daten eines Gebäudes zu sammeln, zu pflegen und zu erhalten. Dadurch würden Fehler minimiert.

Baustoffhersteller und BIM

Zeki Harmanci referierte für die Fa. „Saint-Gobain“ den Einsatz von BIM in der Baustoffindustrie. Es habe seit 2014 eine sukzessive Entwicklung gegeben und mittlerweile bestünde die Möglichkeit, rund 10.000 geprüfte Konstruktionen in „Allplan, ArchiCAD und Revit“ zu importieren. Die BIM-Daten seien auch anpassbar, jedoch wäre hier Obacht nötig, wegen der rechtlichen Belastbarkeit.„Saint Gobain goes BIM“ sei ein Erfolgskonzept. Die BIM-Module sollen weiterentwickelt werden und an Zahl wachsen.

Virtuelle Planung

Vor fünf Jahren begann für uns bei „formitas“ die forschende Befassung mit digitalen Dienstleistungen, so unser Geschäftsführer Hagen Schmidt-Bleker. Nun wäre es möglich, den Bau- und Planungsprozess komplett und mit allen zugehörigen Gewerken abzubilden. Kunden würden profitieren, denn die Planung geriete transparent. Nutzer seien leicht einzubinden, besonders dann, wenn Virtual und Augmented Reality-Anwendungen mit BIM kombiniert seien. In nur drei Jahren sei BIM nicht Zukunft, sondern Realität geworden. Mittels parametrischer Ansätze gelänge auch, die Planung zu automatisieren. Neue Möglichkeiten könnten sich ergeben und z. B. eine gesamte Fabrik wie ein Produkt hergestellt und angepasst werden.

BIM und Generalübernehmer

Uwe Tamm berichtete am zweiten Tag der „BIMconvention“ für die Firma „Derichs u Konertz“ über digitale Planungsmethoden, die bereits seit 1990 im Einsatz seien. BIM betrachte man als strategisches Thema. Aus der Sicht eines Generalübernehmers sei wünschenswert, komplette 3D-Modelle der Planungspartner zu bekommen, um sie schnell in einen digitalen Gebäudeklon, sprich BIM-Modell, integrieren zu können. Das Ziel sei hier, jede Arbeit nur ein Mal zu machen. Daher böte man Weiterbildungen an, um allen Beteiligten die entsprechenden Mindestanforderungen nahezubringen. So sei z. B. wichtig, das Modell geschossweise aufzubauen – vor allem in Hinblick auf Fassade und Aufzug. BIM sei eine gute Methodik, denn Kosten könnten reduziert, Fehler minimiert und Zeit gespart werden.

BIM-basierte Fabrikplanung

Lisa Lenz promoviert derzeit an der TU Dortmund. Sie befasste sich mit der Frage, wie BIM helfen kann, Komplexität, Digitalisierung und Fabrikplanung zusammenzuführen. Letztere sei durch systemimmanente Faktoren getrieben, etwa Dezentralisierung, aber auch äußerer Einflussgrößen (individualisierte Produkte – etwa in der Automobilindustrie). Die Virtualisierung helfe nun, Kommunikation hierüber möglich zu machen. Auch sei eine Anpassungsintelligenz der Produktion machbar. Hier diene das BIM-Modell als digitaler Zwilling, um Wandel transparent zu machen. Ein weiteres Potential sei auch, geeignete fabrikplanungsrelevante Informationen in das Modell zu integrieren und für den Betrieb weiter zu nutzen.

Der „Open-BIM-Workflow“

Praxisnah war es in dieser Reihe möglich, marktreife BIM-Systeme vorgeführt zu bekommen. Ein gemeinsames Bauprojekt bzw. das zugehörige virtuelle Modell wurde mittels sieben Sichten beleuchtet: BIM-Management (formitas), Cloud-Plattform für BIM-Datensynchronisierung (Aconex, vormals Conject), modellbasierte Generierung von Leistungsverzeichnissen (Nevaris), modellbasierte Kosten – und Zeitplanung (BIM4You), Facility Management (eTask), Heizlast- und dynamische Kühllastberechnung (liNear), BIM-Software Komplettanbieter (Allplan). Nach gut 20 Minuten gab es den Stationswechsel und rund 2 h später waren die Teilnehmer fast komplett informiert, denn die Anbieter für Tragwerksplanung und Bauphysik konnten an diesem „Open-BIM-Workflow“ nicht teilnehmen.

Unser Resümee: viele Vorträge, Gespräche, Informationen machten in diesen zwei Tagen einen komprimierten Zugang zu BIM möglich. Auch für erfahrenere Anwender gab es genügend Schnittstellen, Wissen zu vertiefen und Kontakt zu Softwareanbietern wie Dienstleistern zu finden. Wir sind zufrieden, planen bereits unsere Mitwirkung an der „BIMconvention 2018“ und sprechen dem Verein „competence center for Building Information Modeling (ccBIM – http://cc-bim.de )“ unseren Dank für die gelungene Tagung aus.